
So finden Sie die richtige Sammelgrube oder Kleinkläranlage
Ratgeber verfasst am 14. Februar 2024 von:
Didier, technischer Leiter, Frankfurt
Die passende Lösung für Ihr Abwasser
Sammelgruben und Kleinkläranlagen kommen dort zum Einsatz, wo kein Anschluss zur öffentlichen Kanalisation vorhanden ist.
Bis in die 90er Jahre fing der damals bekannte Abwassertank lediglich das Abwasser unserer Toiletten auf. Die neuen Auflagen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) verpflichtet alle Haushalte dazu, das gesamte Abwasser (Küche, Toilette, Badezimmer, Bodenablauf usw.) in einer Sammelgrube aufzufangen, sofern der Wohnsitz nicht mit dem städtischen Abwassersystem verbunden ist.
Der Abwassertank hat lediglich zum Nutzen, die Verschmutzung um den Wohnsitz herum zu begrenzen. Das Funktionsprinzip ist hierbei ganz einfach zu verstehen: die schweren Stoffe sinken auf den Boden ab, wogegen die leichten Partikel an der Oberfläche schwimmen. Die organischen Rückstände werden in geringem Maße von aneroben Mikroorganismen zersetzt. Hierbei handelt es sich um die Phase der Vorbehandlung.
Ein Abwassertank alleine bereitet kein Abwasser auf. Er ist lediglich Teil einer umfassenderen Kläranlage.
Sammelgruben sind aus Beton, Kunststoff (Polyethylen) oder Glasfaser (auf Grund der Empfindlichkeit des Materials immer weniger beliebt) gefertigt.
Diese Abwassertanks müssen mit einer Belüftung ausgestattet sein, die Gase und unangenehme Gerüche entweichen lässt. Eine Sammelgrube sollte ebenfalls regelmäßig abgepumpt werden, um den einwandfreien Betrieb zu gewährleisten. Hierbei wird der Klärschlamm, der durch das Abwasser erzeugt wird, abgepumpt.
Abwassertanks
Eigenschaften einer Kläranlage
Das Fassungsvermögen der Kläranlage sollte dem Bedarf des jeweiligen Wohnsitzes entsprechen. Hierbei wird die Anzahl der Wohnräume oder der Einwohner berücksichtigt.
Die Anzahl der Wohnräume entspricht einer potenziellen Bewohnerzahl und somit einem hiermit verbundenen Wasserverbrauch, weshalb die Sammelgrube die entsprechende Abwassermenge aufnehmen können muss.
Das minimale Volumen einer Sammelgrube sollte bei 3.000 Litern liegen (entspricht der Abwasserproduktion eines Haushaltes mit 5 Wohnräumen bzw. 3 Schlafzimmern). Je weiterem Wohnraum muss das Volumen um 1.000 l erhöht werden.
Übersicht des Fassungsvermögens der Kläranlage, je nach Anzahl der Wohnräume
Anzahl der Wohnräume | Fassungsvermögen der Sammelgrube in Liter | Referenz |
Kleiner oder gleich 5 (max. 3 Schlafzimmer) | 3.000 l | EH03000 |
6 (4 Schlafzimmer) | 4.000 l | EH04000 |
7 (5 Schlafzimmer) | 5.000 l | EH05000 |
8 (6 Schlafzimmer) | 6.000 l | EH06000 |
10 (8 Schlafzimmer) | 8.000 l | EH08000 |
Vergessen Sie bei der Berechnung des Fassungsvolumens der Sammelgrube nicht, eventuelle Renovierungsarbeiten (aktuelle und kommende) einzuberechnen, um die bestehende Grube nicht zu überlasten! Andernfalls könnte dies die Konformität Ihrer Anlage gefährden.
So finden Sie die richtige Kleinkläranlage
Im Gegensatz zur Sammelgrube, handelt es sich bei der Kleinkläranlage um ein umfassendes Abwasseraufbereitungssystem. Das aus der Kleinkläranlage auslaufende Wasser wurde somit bereits größtenteils von den enthaltenen Verunreinigungen befreit, um den grundlegenden Ansprüchen gerecht zu werden. Es handelt sich somit um gereinigtes Abwasser, aber nicht um Trinkwasser.
In einer Kleinkläranlage wird das Abwasser ähnlich wie in der Natur gefiltert. Das Abwasser wird durch unterschiedliche Kammern geleitet, die mehr oder weniger Sauerstoff enthalten. Dies regt die Vermehrung unterschiedlicher Mikroorganismen an, die die Schadstoffe zersetzen. Die letzte Kammer wird Nachklärbecken genannt, da hier die zersetzten (oder noch zu zersetzenden) Reststoff absinken, um später abgepumpt zu werden (bei der Wartung). Eine Kleinkläranlage muss über eine Belüftung verfügen, um Gase und Gerüche abzuleiten.
Die meisten Modelle verfügen über eine Druckpumpe oder einen Kompressor, um den nötigen Sauerstoff zuzuführen. Sie müssen somit eine Stromversorgung bei der Installation einplanen. Manche Modelle verfügen sogar über eine Pumpe, die das Wasser in die unterschiedlichen Kammern pumpt.
Hierbei handelt es sich um das sogenannte Belebtschlammprinzip. Ohne genauer in das Funktionsprinzip der Abwasseraufbereitung einzugehen, ist der Sauerstoffgehalt in den unterschiedlichen Kammern der Kleinkläranlage besonders wichtig, um die Vermehrung der Bakterien zu fördern, die das Abwasser vor dem Auslauf reinigen.
Kleinkläranlagen
Eigenschaften einer Kleinkläranlage
Genau wie bei der Sammelgrube muss auch die Kleinkläranlage der Abwasserproduktion des Haushaltes angepasst werden. Diese Abwassermenge ist je nach Anzahl der Einwohner unterschiedlich und wird als Einwohnergleichwert (EW) ausgedrückt.
Bei der Auswahl der richtigen Größe, müssen Sie genau wie bei der Auswahl der Kläranlage die aktuellen und zukünftigen Vergrößerungsarbeiten in Ihre Berechnung einbeziehen. Multiplizieren Sie also die Anzahl der Schlafzimmer (oder potenziellen Schlafzimmer) mit 1,5, um das nötige Fassungsvermögen zu berechnen. Wenn Ihr Haus 4 Schlafzimmer zählt, gilt: 4 x 1,5 = 6. Sie sollten in diesem Fall nach einer Kleinkläranlage mit mindestens 6 EW suchen. Mehrere Kleinkläranlagenhersteller bieten eine anpassbare Größe (z. B. von 1 bis 4 EW) an. Auch hier sollten Sie eine gewisse Sicherheitsspanne einplanen. Die Lebensdauer einer Kleinkläranlage (Beanspruchung der unterschiedlichen Komponenten) wird somit optimiert. Eine zu 100 % ausgelastete Kleinkläranlage muss ebenfalls häufiger gewartet (abgepumpt) werden.
Funktionsprinzip des Fettabscheiders
Der Fettabscheider ist ein zusätzliches Element, dass die restliche Anlage vor Fettanhäufungen schützt.
Durch ihn läuft ausschließlich das Haushaltsabwasser (Küche und Badezimmer).
Der Fettabscheider wird am Anfang der Anlage noch vor dem Abwasseraufbereitungssystem und so nahe wie möglich am Haus installiert. Hierbei kann es sich um eine Sammelgrube oder auch um eine Kleinkläranlage handeln.
Ein Fettabscheider sollte auf jeden Fall installiert werden, wenn die Kleinkläranlage mehr als 10 m vom Haus entfernt liegt. Der Fettabscheider fängt das Fett mechanisch über einen Ablauf mit Siphon ab (Fett ist leichter und schwimmt an der Oberfläche).
Die eher kleinen Fettabscheider müssen regelmäßig entleert werden, um zu verhindern, dass das angesammelte Fett in die Kläranlage gerät und die Leitungen der Anlage verstopft.
Auch bei der Installation eines Fettabscheiders muss ein Belüftungssystem eingeplant werden, um Gase und Gerüche entweichen zu lassen.
Eigenschaften eines Fettabscheiders
Die Größe des Fettabscheiders ist dem hiermit verbundenem Abwassersystem anzupassen.
Fängt er lediglich das Abwasser der Küche auf, sollten Sie ihn mindestens in der Größe 200 l wählen.
Fängt er das gesamte Abwasser des Hauses auf (Küche und Badezimmer), sollten Sie sich mindestens für die Größe 500 l entscheiden.
Fettabscheider
Zubehör für Kleinkläranlagen
Abzug
Wie bereits gesagt, müssen Fettabscheider und Kleinkläranlage zwingend mit einer Belüftung ausgestattet werden.
Die dazugehörige Entlüftungsvorrichtung muss standardgemäß über das Dach abgeleitet werden.
Die Entlüftungsvorrichtung wird mit der Belüftung verbunden. Hierbei kann es sich um eine feste Entlüftungsvorrichtung handeln oder um einen windgetriebenen Ventilator.
Abdichtungskit
Zusätzlich zur Kleinkläranlage muss ein Sandfilter installiert werden.
Bei der Installation eines Sandfilters mit Abflussfeld ermöglicht das Abdichtungskit (durch spezifische Planen und Geotextilien), den Filter vollständig abzudichten (Infiltrationen und Lecks).
Rotator
Der Rotator ist ein mechanisch angetriebener Ventilator. Er sorgt für eine konstante Depression in der Abluftleitung, um Gase und Gerüche auch ohne Wind abzuleiten.
Kontrollschacht
Der Kontrollschacht befindet sich zu Beginn der Anlage und ermöglicht, die darunterliegende Anlage zu überprüfen. Er hat keinerlei Einwirkung auf die Abwasseraufbereitung.
Das Abwasser kann aus einer oder mehrerer Abwasserleitungen (eine für jeweils für Küche, Badezimmer und Toilette) stammen.
Der Kontrollschacht hat somit eine wichtige Funktion bei der Instandhaltung der Anlage, denn er ermöglicht, einfach auf die Anlage zugreifen zu können, falls diese gewartet werden muss oder wenn Leitungen verstopft sind.
Aufbaukasten
Standardmäßig muss der einfache Zugang zur Kleinkläranlage und den unterschiedlichen Kammern der Anlage möglich sein.
Je nach Installationstiefe müssen die unterschiedlichen Kontrollschächte jedoch eingegraben werden. Damit diese weiterhin zugänglich sind, müssen Sie mit Aufbaukästen versehen werden. Die Aufbaukästen sind in unterschiedlichen Formen erhältlich, um sich den viereckigen oder runden Schächten anzupassen.
Bei den Schächten aus Polyethylen können die Aufbaukästen ganz einfach aufgesteckt oder direkt auf dem Schacht verschraubt werden.
Abwasser & Abwasseraufbereitung
Diese Themen könnten Sie auch interessieren
Ratgeber verfasst von:
Didier, technischer Leiter, Frankfurt
Heimwerkern: Ich liebe es! Die präzise Arbeit fasziniert mich, ich mag Holz, Metall und ich liebe es, etwas zu bauen, was es bisher nicht gibt. Das Zimmer meiner Tochter ist ein Beispiel, ihr Bett ist unter ihrem Schreibtisch eingebaut! Meine Leidenschaft hat sich inzwischen herumgesprochen: Meine Familie und Nachbarn fragen mich um oft Rat oder um Hilfe für Ihre Projekte. Auch Sie berate ich gerne bei der Auswahl Ihrer Werkzeuge oder bei DIY-Projekten.