
Aquascaping: So geht’s
Ratgeber verfasst am 15. Februar 2024 von:
Constanze, passionierte Gärtnerin, Tierliebhaberin und Upcycling-Fan
Was ist Aquascaping?
Wer sich unter einem modernen Aquarium ein Becken mit Kunststoffdekor wie einem Schiffswrack, Plastikpflanzen oder einer versunkenen Stadt vorstellt, kennt noch nicht die atemberaubenden Möglichkeiten, die Aquascaping bietet. Diese Methode ist eine spezielle Form der Aquaristik und manch ein Aquarianer träumt davon, ein Becken im Diorama- oder im Iwagumi-Stil zu besitzen. Profis wie Takashi Amano, der als Begründer des modernen Aquascapings gilt, oder Oliver Knott sind dazu in der Lage, Mini-Landschaften zu schaffen, die wahre Kunstwerke sind und in jedem Raum zum Blickfang werden.
Der Begriff Aquascaping bedeutet so viel wie Unterwassergärtnern. Bei dieser Methode werden Steine, Holz und Pflanzen harmonisch miteinander kombiniert, sodass sie einer Naturlandschaft gleichen. Fische und andere Aquarium-Bewohner spielen bei diesen Becken eine untergeordnete Rolle. Aquascapes können verschiedene Stile aufweisen, die im Folgenden vorgestellt werden.
Holländischer Stil
Der holländische Stil ist ein echter Klassiker und der Vorläufer des modernen Aquascapings. Er ist seit den 1970er-Jahren unter Aquarienfreunden beliebt. Ein Hollandaquarium wird ausschließlich mit Pflanzen gestaltet, die wie in einem Blumenbeet angeordnet werden. Kleine Pflanzen werden in der Regel nach vorne gesetzt, größere nach hinten. Dies schafft einen Tiefeneffekt. Oft wirkt dieses Layout allerdings nicht natürlich.
Iwagumi-Stil
Ein Aquarium in dieser aus Japan stammenden Stilrichtung gleicht einer Berglandschaft. Für ein Iwagumi-Aquarium nach allen Regeln der Kunst müssen Sie eine ungerade Anzahl an Steinen verwenden. Der größte Stein wird als Oyaishi bezeichnet. Die kleineren Steine als Soeishi und Suteishi. Die Steine werden so kombiniert, dass sie ein harmonisches, puristisch anmutendes Layout ergeben. Es wird nur eine Pflanzenart genutzt. Hierbei handelt es sich meistens um Bodendecker wie Nadeeratung/einen-japanischen-garten-anlegen-so-geht-s-869lsimse oder Australisches Zungenblatt.
Diorama-Stil
Der Diorama-Stil ist die Königsdisziplin des Aquascapings. Ziel ist es, Überwasserlandschaften naturgetreu zu kopieren. Das Zusammenspiel von Perspektive und Tiefenwirkung führen zu einem realistischen, spektakulären Ergebnis. Das Aquascape muss bis ins kleinste Detail geplant und minuziös gepflegt werden. Diese anspruchsvolle Stilrichtung eignet sich daher nicht für Anfänger.
Naturaquarium
Auch bei einem Naturaquarium soll das Layout einer natürlichen Überwasserlandschaft gleichen, beispielsweise einem Wald. Anders als beim Diorama-Stil geht es hier jedoch nicht darum, eine Landschaft realistisch zu kopieren. Bei dieser Technik wird der Aquarianer vielmehr selbst zum Künstler à la Takashi Amano und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Beim Einrichten ist es wichtig, dass Hardscape-Elemente wie Steine und Wurzeln sowie Wasserpflanzen durch Bildung von Kontrasten, Strukturen und Formen ein ansprechendes, harmonisches und natürlich wirkendes Layout ergeben.
Aquarium-Wurzeln
Aquascaping-Zubehör
Wer ein Aquascaping-Aquarium einrichten möchte, benötigt das passende Zubehör. Von der richtigen Aquariengröße über die Beleuchtung bis hin zum Hardscape finden Sie hier einen kurzen Überblick.
Becken
Zuallererst benötigen Sie ein geeignetes Aquarium mit Heizung und Filter. Für Aquascaping eignen sich insbesondere sogenannte Nano-Aquarien. Ein Nano-Aquarium ist sehr klein. Es besitzt meist eine quadratische Form (Nano-Cube) und keine Rückwand, sodass es von allen Seiten eingesehen werden kann. Sein Fassungsvermögen liegt in der Regel unter 60 Liter. Doch auch größere Aquarien können zum Aquascaping verwendet werden. Je größer das Aquarium, desto aufwendiger wird jedoch die Pflanzenpflege und desto höher die Kosten. Größere Aquarien haben den Vorteil, dass die Wasserwerte stabiler bleiben.
Beleuchtung
Je nachdem, welche Pflanzen Sie für Ihr Aquascape verwenden, spielt die passende Beleuchtung eine wichtige Rolle. Manche Pflanzen geben sich mit wenig Licht zufrieden, andere benötigen eine starke Beleuchtung. Viele Nano-Aquarien werden mit integrierter LED-Beleuchtung geliefert. Informieren Sie sich vor der Einrichtung des Aquariums über die verschiedenen Lichtstärken und Lichtfarben. Gut zu wissen: Das Licht ist nicht nur für die Aquarienpflanzen wichtig, es setzt natürlich auch das Layout in Szene. Um einen Algenbefall zu verhindern, darf das Licht nicht den ganzen Tag über brennen. Wenn Sie trotzdem nicht auf den Anblick Ihres Aquascaping-Aquariums verzichten möchten, können Sie durch eine wasserdichte LED-Leisten mit buntem Licht beispielsweise Mondlicht imitieren. Kaufen Sie zudem eine Zeitschaltuhr, die die Beleuchtung automatisch ein- und ausschaltet.
CO₂-Düngung
Wenn Sie möchten, dass Ihre Pflanzen gut gedeihen und in lebendigen Farben erstrahlen, kommen Sie um eine CO₂-Anlage nicht umher, da diese für die Photosynthese der Pflanzen wichtig ist. Eine CO₂-Anlage führt den Pflanzen über CO₂-Diffusoren wichtiges Kohlenstoffdioxid zu, was ihr Wachstum fördert. Welche CO₂-Anlage die richtige ist, kommt auf Ihr Aquascaping-Projekt und die Größe des Aquariums an. In Aquascape-Aquarien wird ein höherer CO₂-Gehalt benötigt als in Gesellschaftsaquarien, in denen Fische die Hauptrolle spielen.
Pflanzenpflege
Hardscape
Zum Hardscape zählen Steine und Wurzeln. Sie sind für die Gestaltung des Layouts wichtig, da sie durch ihre Anordnung die Grundstruktur des Aquascapes bilden. Beachten Sie jedoch, dass einige Steine und Hölzer die Wasserwerte beeinflussen können.
Hölzer und Wurzeln
Spiderwood: Diese Wurzelart besteht aus vielen kleinen Verästelungen, die Spinnenbeinen gleichen und durch ihre Struktur als Fokuspunkt im Aquascape eingesetzt werden können.
Driftwood: Driftwood, also Treibholz, existiert in verschiedenen Farben und Formen. Meist sind diese Hölzer geradlinig. Sie können bepflanzt werden.
Mangrovenwurzeln: Diese Wurzeln besitzen eine recht dunkle Farbe und sind oft massiv und imposant. Sie sind echte Klassiker der Aquariendekoration.
Bonsai: Ein Mini-Baum im Aquarium? Warum nicht! Aquarien-Bonsais bestehen aus speziellen Wurzeln, die Bäumen gleichen, und bepflanzt werden. Das Ergebnis ist täuschend echt.
Steine
Frodo Stone: Diese Steine haben eine außergewöhnliche Form voller Kanten und Furchen und setzen Akzente im Aquascape. Sie zeichnen sich durch ihre meist graue Farbe aus.
Seiryu-Stein: Er bietet sich durch seine Struktur besonders gut zur Gestaltung von Gebirgslandschaften an.
Pagodenstein: Diese Steine existieren in verschiedenen Farben und Größen. Sie ähneln, wie der Name schon sagt, einer Pagode, also einem mehrgeschossigen asiatischen Bauwerk.
Lavastein: Diese Gesteinsart besticht durch ihren dunklen Farbton und ihre poröse Struktur. Sie kann bepflanzt werden.
Steine
Pflanzen, Moose und Bodengrund
Pflanzen und Moose werden im Aquascaping auch als Softscape bezeichnet. Welche Pflanzen Sie benötigen, kommt hauptsächlich auf das Design des Aquascapes und die Größe Ihres Aquariums an. Je größer das Aquarium, desto größere Pflanzen können verwendet werden. Beleuchtung und CO₂-Gehalt müssen an die Pflanzen angepasst werden, damit diese gut wachsen. Schnell wachsende Pflanzen halten die Bildung von Algen in Zaum. Achten Sie auch auf den Bodengrund, den Sie in Ihrem Aquarium verwenden. Sogenannter Aqua Soil eignet sich besonders gut, da er durch seine Zusammensetzung das Wachstum der Pflanzen fördert. Gut zu wissen: Garnelen, gern gesehene Bewohner von Aquascaping-Aquarien, fühlen sich in Aqua Soil sehr wohl, da dieser den pH-Wert positiv beeinflusst.
Bodengrund
Aquarientiere
Wie oben schon erwähnt, liegt bei Aquascaping das Hauptaugenmerk auf der Gestaltung des Layouts. Dennoch sind auch Fische und andere Wasserbewohner gern gesehene Gäste in einem solchen Aquarium. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass die Tiere sich in Ihrem Aquarium wohlfühlen müssen.
Garnelen
Für Nano-Aquarien eignen sich kleine Bienengarnelen, Tigergarnelen oder Neocaridina besonders gut. Allerdings sind diese Garnelenarten sehr fortpflanzungsfreudig und es kann schon bald zu Platzproblemen kommen. Caridina multidentata sind als effiziente Algenfresser bekannt. Sie vermehren sich im Aquarium nicht. Sie werden auch als Amano-Garnelen bezeichnet, in Anlehnung an Takashi Amano, der sie bekannt gemacht hat. Sie sind aufgrund ihrer Größe und Schwimmfreudigkeit jedoch eher für größere Aquarien geeignet.
Fische
Der Fischbesatz muss zu den Wasserwerten und der Größe des Aquariums passen. Im Aquascaping wird darauf verzichtet, mehrere verschiedene Fischarten einzusetzen. Es wird vielmehr davon ausgegangen, dass der Einsatz nur einer Fischart zur Ruhe beiträgt, die ein Naturaquarium ausstrahlen soll. Ein Schwarm Rotkopfsalmler wertet jedes Aquascaping-Aquarium auf und macht die Landschaft erst so richtig lebendig.
Die Drittel-Regel und der Goldene Schnitt
Bei der Einrichtung eines Aquascape sind das Setzen von Fokuspunkten und die Strukturierung des Layouts das A und O. Erst wenn alle Einrichtungselemente richtig miteinander harmonieren, wird Ihr Aquarium zum Blickfang. Wenn Sie hierbei die Drittel-Regel und den Goldenen Schnitt beachten, kann eigentlich nichts schiefgehen.
Goldener Schnitt: Ganz vereinfacht ausgedrückt besagt der Goldene Schnitt, dass Ihr Aquascape nicht ganz symmetrisch sein darf. Der Fokuspunkt sollte seitlich versetzt liegen. Dies wird als harmonischer wahrgenommen und auch in der Kunst eingesetzt. Wer es ganz genau wissen will, kann sich seinen idealen Goldenen Schnitt sogar mithilfe einer Formel errechnen. Aber zerbrechen Sie sich nicht den Kopf: Im Internet finden Sie zahlreiche Rechner.
Drittel-Regel: Diese Regel ist etwas einfacher nachzuvollziehen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor Ihrem Aquarium. Nun teilen Sie die Frontscheibe des Aquariums mithilfe eines Rasters in neun gleichgroße Felder auf. Dort, wo sich die Linien des Rasters überscheiden, sollten Sie Fokuspunkte setzen, also Gestaltungselemente, die den Blick auf sich ziehen.
Aquascaping-Aquarium einrichten: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn Sie Ihr Aquascape fertig geplant haben und das wichtigste Zubehör vorhanden ist, können Sie mit der Gestaltung loslegen. Jedes Aquascape ist einmalig, doch einige Schritte müssen immer beachtet werden. Folgen Sie einfach unserer Aquascaping-Anleitung:
Aquarium aufstellen: Stellen Sie Ihr Aquarium unbedingt an einem dunklen Standort auf. Zu viel Sonne regt die Algenbildung an!
Bodengrund einfüllen: Füllen Sie mindestens 5 cm Soil in das Becken. Hierbei können Sie verschiedene Bodenfarben und Texturen abwechseln.
Hardscape einrichten: Gestalten Sie Steine und Wurzeln so, dass die Fokuspunkte im Goldenen Schnitt liegen oder der Drittel-Regel entsprechen. Sollten die Wurzeln nach oben treiben, können sie mit einem Stein beschwert werden.
Pflanzen einsetzen: Nun können Sie die Pflanzen einsetzen, sodass das Hardscape in Szene gesetzt wird und ein harmonisches Gesamtlayout entsteht.
Wasser einfüllen: Lassen Sie das Wasser nun langsam in das Aquarium laufen, damit es das Layout nicht zerstört. Um nicht zu viel Bodengrund aufzuwirbeln, können Sie einen Teller auf den Grund stellen, der das Wasser durch Überlaufen sanft verteilt.
Fische einsetzen: Ihr Aquarium muss einige Wochen einfahren und passende Wasserwerte aufweisen, bevor Fische und Wirbellose Ihr Aquascape verschönern können.
Fischpflege
Aquascape-Pflege
Damit Ihre Unterwasserlandschaft auch lange ein Hingucker bleibt, müssen Sie sie regelmäßig pflegen.
Pflanzen kürzen und teilen: Hierzu benötigen Sie Aquascape-Werkzeuge wie Schere und Pinzette. Die Pflanzenpflege kann gut mit einem Wasserwechsel kombiniert werden.
Wasserwechsel: Ein wöchentlicher Teilwasserwechsel beugt schlechten Wasserwerten vor. Dies kommt besonders Ihren Fischen zugute. Hilfsmittel wie ein Schlauch oder eine spezielle Pumpe vereinfachen den Vorgang.
Filterwechsel: Je nachdem, wie viel Schmutz Ihr Aquarium produziert, müssen Sie regelmäßig einen Teilwechsel des Filtermaterials durchführen. Entfernen Sie jedoch nicht zu viel altes Filtermaterial, da es auch nützliche Bakterien enthält.
Aquarium-Pumpen
Aquascaping: Kosten
Aquaristik und insbesondere Aquascaping sind recht teure Hobbys. Die Anschaffungskosten für Aquarium, CO₂-Anlage und anderes Zubehör können schnell über Tausend Euro betragen. Um Ihren Geldbeutel zu schonen, gibt es glücklicherweise einige Tricks:
Gebrauchte Aquarien kosten meist nur einen Bruchteil ihres Neupreises und besitzen schon die nötige Ausstattung.
Viele Aquarianer müssen regelmäßig ihre Wasserpflanzen kürzen und verschenken Ableger.
In einschlägigen Börsen werden Garnelen, die von der Farbgebung her nicht den Anforderungen des Züchters entsprechen, oft günstig abgegeben.
Steine und Wurzeln lassen sich auch in der Natur finden. Fragen Sie jedoch einen Profi, ob das von ihnen aufgesammelte Material für Süßwasseraquarien geeignet ist und behandeln Sie es gut vor.
Mehr zum Thema Aquarium
Weitere Informationen rund um Aquaristik finden Sie in folgenden Ratgebern:
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Ratgeber verfasst von:
Constanze, passionierte Gärtnerin, Tierliebhaberin und Upcycling-Fan
Vom Blumenbeet über das Kinderzimmer bis hin zum Aquarium: Ich liebe es, Dinge einzurichten und umzugestalten. Dabei lege ich großen Wert auf nachhaltige Methoden und Materialien, denn der Umweltschutz liegt mir sehr am Herzen. Mein Motto: Warum etwas neu kaufen, wenn alten Gegenständen mit ein paar Handgriffen ein zweites Leben geschenkt werden kann? Ob es um die Erneuerung alter Küchenfronten geht oder das Anlegen eines Bio-Gemüsegartens – ich bin immer auf der Suche nach kreativen Projekten, ausgefallenen Ideen und dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis!