
Die Eisheiligen und Ihr Garten
Ratgeber verfasst am 15. Februar 2024 von:
Johannes, leidenschaftlicher Gärtner, Bonn
Wichtige Eigenschaften
- Herkunft
- Daten
- Frost
- Pflanzungen
Die Geschichte der Eisheiligen: vom Mittelalter bis heute
Die Bauernregel der Eisheiligen ist aus einer Kombination von Alltag und Religion entstanden. Sie geht bis in die unruhigen Zeiten des Hochmittelalters zurück, etwa um das Jahr 500 unserer Zeit. Der Mai bringt Sonne und Wärme, die Temperaturen steigen, die Erde erwärmt sich und die Gärtner und Bauern beginnen mit dem Pflanzen und Säen. Aber in dem einen oder anderen Jahr treten plötzlich Minustemperaturen und Frost auf, und machten die Arbeit zunichte.
Deshlab hatte Mamertus, der damalige Bischof der französischen Stadt Vienne, die Bitttage eingeführt, um den Katastrophen aller Art, die sich oft im Monat Mai ereigneten, ein Ende zu setzen. Dieses religiöse Fest erstreckte sich über drei Tage, in denen man sich mit Gebeten und Fasten auf das Fest der Himmelfahrt vorbereitete. Die Woche der Bitttage wird auch als Bittwoche oder Bittgänge bezeichnet. Die damals überwiegend ländliche Bevölkerung bat vor allem um Schutz für ihre Pflanzen und um eine gute Ernte.
Später, als sich die Gebete als nicht sehr wirksam erwiesen, wurde das Fasten aufgegeben, und die drei Bitttage kündigten Kälte an. Die Bauern erkannten, dass sie vor diesen Daten nichts pflanzen oder säen sollten, und die drei Tage wurden dann zu den Eisheiligen.
Die Eisheiligen sind bis heute Teil des christlichen Kirchenjahrs. In Norddeutschland dauern die Eisheiligen drei Tage, der erste Tag wird Mamertus zugewiesen. Im Süden des Landes gilt Pankratius als erster Eisheiliger. Ihm folgen Mamertus, Servatius und Bonifatius. Deshalb sind es dort vier Tage. Bis heute sind die Eisheiligen für viele Gärtner ein wichtiges Datum.
Wie heißen die Eisheiligen und wann sind ihre Gedenktage?
Nach der Überlieferung sind dies die Eisheiligen und ihre jeweiligen Gedenktage:
11. Mai: Mamertus war der Bischof, der, ohne es zu wollen, die Eisheiligen ins Leben gerufen hat.
12. Mai: Der heilige Pankratius wurde im Jahr 304 im Alter von 14 Jahren enthauptet, weil er seiner christlichen Religion nicht abschwören wollte. Er wurde in ganz Europa verehrt.
13. Mai: Servatius war im 4. Jahrhundert ein sehr beliebter Bischof der Diözese Tongeren (Belgien).
Da die frostigen Temperaturen nicht unbedingt am 13. Mai aufhören, wurden andere, weniger bekannte Heilige des Monats Mai hinzugefügt:
14. Mai: Bonifatius. Eine alte Bauernregel lautet: „Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz.“
15. Mai: Die heilige Sophia, auch Kalte Sophie genannt. Sophia von Rom war eine frühchristliche Märtyrin des 4. Jahrhunderts, die um 304 während der Christenverfolgung starb.
20. Mai: Bernhardin von Siena war ein italienischer Heiliger. Der heilige Bernhardin ist Patron der Wollweber.
25. Mai: Der heilige Urban ist der Patron der Weinberge, des Weines, der Winzer und Küfer. Eine alte Bauernregel lautet: „Scheint die Sonne hell am Urbanitag, wächst guter Wein nach alter Sag'; wenn es aber regnet, ist nichts gesegnet.“
Müssen Sie sich vor dem Frost der Eisheiligen in Acht nehmen?
Tatsächlich zeigen Statistiken, dass die Frostgefahr während dieser drei Tage nicht größer ist als während der drei Tage davor oder danach. Das kann daran liegen, dass der Kalender sich seit dem Mittelalter viele Male verändert hat. Es ist es also möglich, dass sich die ursprünglichen Tage der Eisheiligen im Vergleich zum heutigen Kalender verschoben haben.
Schwere Fröste sind nur in einem von zehn Jahren in dieser Periode zu befürchten, und leichter Frost (Reif) tritt nur in einem von drei Jahren auf. Daraus lässt sich schließen, dass es in 6 von 10 Jahren während der Zeit der Eisheiligen überhaupt nicht friert. Sie können also ohne großes Risiko Ihr Sommergemüse auspflanzen. Beachten Sie aber, dass das Wetter von Jahr zu Jahr verschieden ist. In manchen Regionen (z. B. in den Bergen) ist es durchaus möglich, dass es auch im Juni noch gefriert.
Die Wissenschaft versucht dieses Phänomen folgendermaßen zu erklären: Im Mai wird der Himmel durch die Hochdruckgebiete klarer. Aufgrund der fehlenden Wolkendecke entsteht ein größerer Wärmeverlust, der oft zum Ende der Nacht eintritt. Astrophysiker weisen auch darauf hin, dass die Erdumlaufbahn im Mai einen staubbeladenen Bereich des Weltraums durchquert, der Sonnenstrahlen abschirmt, wodurch die Temperaturen sinken.
Was kann man vor den Eisheiligen pflanzen?
Zunächst einmal ist es falsch zu sagen, dass man vor den Eisheiligen nichts pflanzen kann. Viele weniger kälteempfindliche Pflanzen, wie Erbsen, Bohnen, Karotten und Radieschen, dürfen vor den Eisheiligen gepflanzt werden. Dies gilt auch für alle Bäume oder Sträucher in Pflanzkübeln, die schon früher ausgepflanzt werden können.
Eigentlich sollten Sie auf Frost achten, wenn Sie frostempfindliches Gemüse wie Tomaten, Zucchini, Paprika, Auberginen, Melonen usw. aussäen. Es ist daher ratsam, vor Ende Mai keine solche Pflanzen auszusetzen. Sollten Sie vor Mitte Mai pflanzen wollen, können Sie Ihre Pflanzen durch ein Winterschutzvlies (Agryl P17), ein Gewächshaus oder einen Folientunnel.
Tipp: Frost tritt nachts auf, während die Tage sonnig und sogar warm sein können. Sehen Sie sich abends den Himmel an: Wenn es bewölkt ist, friert es wahrscheinlich nicht.
Eisheilige und der sprichwörtliche rote Mond:
Da sie ungefähr zur gleichen Jahreszeit auftreten, werden die Eisheiligen und der rote Mond oft miteinander in Verbindung gebracht. „Beim roten Mond kann nichts wachsen“ besagt eine alte französische Bauernregel: Wenn man in bestimmten Regionen vom roten Mond spricht, meint man den Mondzyklus, der im April mit dem Neumond beginnt (nachts ist kein Mond am Himmel) und mit dem nächsten Neumond im Mai endet.
Der Mond wird zu dieser Jahreszeit nicht wirklich rot. Der Ausdruck „rot“ bezieht sich auf die Farbe der jungen Triebe, die sie über Nacht erhalten (als wäre der Mond daran schuld).
Tatsächlich entwickeln sich durch den Temperaturanstieg tagsüber neue Knospen, das Gras wächst, aber der Boden ist immer noch kalt, sodass nachts, wenn das Thermometer stark fällt, keine Wärme aus dem Boden abgegeben wird und die Temperaturen bei Tagesanbruch unter dem Gefrierpunkt liegen können. Die jungen Triebe nehmen dann eine rostrote Farbe an, als wären sie verbrannt.
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Johannes, leidenschaftlicher Gärtner, Bonn
Schon als Dreikäsehoch half ich zu Hause bei der Gartenarbeit mit. Wahrscheinlich entwickelte ich damals mein Interesse für Pflanzen und fürs Gärtnern. Später habe ich Biologie und Agrarwissenschaften studiert. Für verschiedene Verlage verfasste ich über 25 Jahre lang zahlreiche Bücher über Pflanzen und Pilze (für die ich eine besondere Vorliebe habe), bevor ich zu Gartenratgebern überging und damit zu einer Leidenschaft aus Kindheitstagen zurückkehrte. Ich habe auch regelmäßig für verschiedenste Garten- oder Naturzeitschriften gearbeitet. Und weil ich ohne Garten kein richtiger Gärtner wäre, habe ich mir meine eigene Grünoase geschaffen. Hier setze ich seit 30 Jahren verschiedene Anbauverfahren um, die ich gerne mit Ihnen teile.