
So finden Sie den richtigen Estrich
Ratgeber verfasst am 15. Februar 2024 von:
Vitali, Heimwerker, Hobbyschreiner, Leverkusen
Was ist Estrich?
Wer einen Rohbau schonmal von innen gesehen hat, der weiß: der Fußboden ist alles andere als gerade. Um darauf später einen Bodenbelag verlegen zu können, ist noch einiges an Arbeit notwendig. Doch womit füllt man die Unebenheiten am besten aus und bringt alles "ins Wasser"?
Genau hier kommt Estrich ins Spiel. Estrich ist eine Art von Ausgleichsmasse auf Zementbasis, die man als Zwischenschicht auf den Boden des Rohbaus aufträgt. Es gibt Estrich in den verschiedensten Konsistenzen und Ausführungen. Der Zweck ist letzten Endes jedoch immer der gleiche: ein glatter Boden.
Wo ist der Einsatz von Estrich sinnvoll?
Vereinfacht lässt sich sagen, Estrich wird überall dort eingesetzt, wo ein Höhenunterschied ausgeglichen werden muss oder Rohrleitungen versteckt sein müssen. Dies kann bspielsweise bei einem unebenen Rohbauboden der Fall sein, die Auffüllung nach Verlegung einer Fußbodenheizung oder aber ein Ausgleich bei einem schiefen Boden. Mithilfe des Estrichs schaffen Sie einen tragenden Untergrund zur Verlegung von Fliesen, Parkett, Teppich oder anderen Bodenbelägen.
Welche Estricharten gibt es?
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten: Fließestrich und Trockenestrich. Dabei wird Fließestrich - wie der Name bereits vermuten lässt - mit Wasser angemischt und auf dem Boden aufgetragen. In der Regel ist Fließestrich sehr dünnflüssig, sodass er gut in alle Poren und Ritzen hineinfließen kann. Mithilfe der Schwerkraft begradigt sich der Boden dann mehr oder weniger von selbst.
Trockenestrich kommt gänzlich ohne Wasser aus. Es gibt ihn als Schüttgut (die sogenannte Trockenschüttung) oder in Form von Platten zu kaufen. Diese bestehen meist aus Verbundplatten, die man einfach trocken auf dem Boden ausgelegt. Der große Vorteil des Trockenestrichs: er kann sofort nach der Verlegung genutzt bzw. begangen werden. Es gibt keine Trocknungszeiten, die Sie einhalten müssen.
Fließestrich hingegen wird mit Wasser angemischt und hat teils eine Trocknungszeit von mehreren Wochen - je nach Mischverhältnis. Dafür ist er gegenüber dem Trockenestrich robuster und unempfindlich gegen Wasser.
Unter diesen zwei Kategorien gibt es nun verschiedene Aufbauten:
Verbundestrich
Verbundestrich ist bei Aufbau und Verlegung die simpelste Variante. Der Estrich wird direkt auf den Boden aufgetragen. Eine Haftbrücke für den besseren Verbund beider Schichten kann angebracht werden, ist in vielen Fällen jedoch nicht notwendig.
Der Verbundestrich selbst trägt nicht zwangsläufig zur Bodenstabilität bei, er schützt jedoch bei stark beanspruchten Böden den darunterliegenden Rohbau. Dies kann beispielsweise in einer Garage oder einem Keller Sinn machen.
Estrich auf Trennschicht
Der Einsatz von Estrich auf Trennschicht (oder auch Estrich auf Trennlage) ist überall dort sinnvoll, wo keine Schall- oder Wärmeisolation notwendig ist. Der Estrich dient primär der besseren Lastverteilung auf dem Boden und bietet einen guten Feuchtigkeitsschutz.
Die Trennschicht ist eine dünne Zwischenlage und hat die Aufgabe, die Feuchtigkeits- oder Temperaturschwankungen auszugleichen und den Boden vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen. Eingesetzt wird er überall dort, wo Estrich auf untersten Boden trifft. Bspw. in Kellerräumen, Terrassen oder Balkonen.
Estrich auf Dämmschicht bzw. schwimmender Estrich
Der Estrich auf Dämmschicht wird - wie der Name bereits sagt - auf einer Dämmschicht aufgebracht. Dieser Aufbau verbessert die Wärmedämmung sowie den Trittschall des Bodens und wird erreicht, indem der Estrich von den angrenzenden Bauteilen des Gebäudes "entkoppelt" wird. Die Dämmschicht sorgt dafür, dass es keinen direkten Kontakt zwischen Estrich und Gebäude gibt. Dafür nutzt man einerseits sogenannte Randdämmstreifen zur Verlegung an der Wand, andererseits Hartschaum- bzw. mineralische Dämmung wie Glaswolle, Steinwolle oder XPS.
Eine Besonderheit bei diesem Aufbau: wenn die Dämmschicht unter einer Fußbodenheizung verlegt wird, wird der gesamte Boden zu einer großen Heizfläche. Diesen Estrich nennt man dann "Heizestrich" und er wird vor allem als Fließestrich aufgebracht.
Isolierung & Dämmung
Bindemittel: die unterschiedlichen Estricharten
Nicht nur die Art und Weise der Verlegung kann sich bei Estrich unterscheiden. Auch die Zusammensetzung der enthaltenen Stoffe ist unterschiedlich. Jede Zusammensetzung hat gewisse Vor- und Nachteile, sodass es verschiedene Einsatzzwecke und -orte für den jeweiligen Estrich gibt.
Zementestrich
Zementestrich ist die wohl am häufigsten anzutreffende Estrichart. Er wird auf der Verpackung durch die Buchstaben "CE" oder "ZE" gekennzeichnet. Herkömmlicher Zementestrich besteht zum größten Teil aus Zement, Sand sowie Wasser. Dies macht ihn einerseits sehr preiswert, andererseits unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Der größte Nachteil dieses Materials: es braucht sehr lange zum Trocknen. Die Trocknungszeit kann - je nach Schichtstärke - mehrere Wochen betragen. Außerdem können bei der Trocknung Risse oder Unebenheiten entstehen, sodass man nacharbeiten muss.
Magnesiaestrich
Magnesiaestrich (Kennzeichen: ME) ist ein weiterer Verbundestrich. Er lässt sich in verschiedenen Bereichen einsetzen. Dabei findet er sowohl in Industrie- und Lagerhallen Verwendung als auch in öffentlichen Einrichtungen sowie in Wohnhäusern.
Magnesiaestrich ist ein reines Naturprodukt und ist elektrisch leitfähig. Dies macht ihn zu einem optimalen Antistatikboden.
Anhydritestrich
Anhydritestrich oder Calciumsulfatestrich wird mit den Buchstaben "CA" gekennzeichnet. Das Bindemittel ist gebrannter Gips. Dies macht ihn formbeständiger und sorgt im Vergleich zu Zementestrich für eine sehr viel schnellere Trocknungszeit.
Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften eignet sich Anhydritestrich leider nicht für Feuchträume und auch nicht für den Außenbereich, da er sehr feuchtigkeitsempfindlich ist. Im Innenraum nutzt man ihn gern als Heizestrich, weil seine Wärmeleiteigenschaften im Vergleich zu anderen Estrichsorten besser sind.
Gussasphaltestrich
Bei Gussasphaltestrich (Kennzeichen: AS) handelt es sich um ein Gemisch aus Steinmehl, Splitt, Sand und Bitumen. Gussasphaltestrich wird anders aufgetragen als andere Estrichsorten. Er wird auf 250 Grad Celsius erhitzt und durchgemischt. Das Bitumen bindet die anderen Komponenten zu einem widerstandsfähigen Estrich. Nach Auftrag muss das Gemisch erkalten.
Gussasphaltestrich ist ein sehr guter Wärme- und Schallisolator.
Kunstharzestrich
Kunstharzestrich (Kennzeichen: SR) ist ein Estrich mit Kunstharz (meist Epoxidharz) als Bindemittel. Er trocknet sehr schnell und ist extrem widerstandsfähig. Er wird oft als Boden für Lagerhallen und Maschinenfundamente genutzt. Im Wohnbereich findet er aufgrund seines sehr hohen Preises eher selten Verwendung.
Sand
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Vitali, Heimwerker, Hobbyschreiner, Leverkusen
Hi, ich bin Vitali und bin aktuell 36 Jahre alt (Tendenz: steigend). Ich bin absolut passionierter Holz- und Heimwerker. Alles, was man im Haushalt selbst erledigen kann, wird in unserem Haushalt auch selbst gemacht. Das beginnt mit dem Verlegen verschiedener Böden, erstreckt sich über die Installation von Duschkabinen und geht bis zum kompletten Eigenbau der eigenen Möbel. Der Großteil meiner Projekte wird mittlerweile in meiner Werkstatt - der Spanfabrik - umgesetzt. Hier zeige ich auf Instagram, was man mit einfachen Mitteln an Möbeln und anderen Kleinigkeiten basteln kann. Das ist nicht nur nachhaltig und lehrreich, sondern macht auch richtig Laune. Und wenn man Bock hat etwas umzusetzen, dann geht einfach alles!