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Wie der Potenzialausgleich einer Wohnung durchgeführt wird

Wie der Potenzialausgleich einer Wohnung durchgeführt wird

Bruno, Elektrotechniker, Freiburg

Ratgeber verfasst am 15. Februar 2024 von:

Bruno, Elektrotechniker, Freiburg

6 Min. Lesezeit
Potenzialausgleiche dienen dem Schutz vor elektrischen Schlägen und sind für jeden Heimwerker leicht zu bewerkstelligen. Für eine normgerechte Installation und sichere Vorgehensweise ist es jedoch unbedingt notwendig, die einzuhaltenden Regeln genau zu kennen. Folgen Sie dazu diesem Leitfaden.

Wichtige Eigenschaften

  • Hauptpotenzialausgleich herstellen
  • Zusatzpotenzialausgleich durchführen
  • Hauptpotenzialausgleich und Zusatzpotenzialausgleich testen

Wer darf eine Erdung einbauen?

Dies sei vorweg gesagt: Sämtliche Arbeiten rund um den elektrischen Anschluss an das Hausstromnetz und den Blitzschutz sind ausschließlich zertifizierten Fachunternehmen vorbehalten. Jegliche Eigenversuche sind in diesem Bereich gesetzlich verboten und werden mit einem Bußgeld geahndet. Davon abgesehen, verweigert eine Brandschutzversicherung bei fehlendem Gutachten über die vorhandene elektrische Absicherung eines Hauses in der Regel einen Vertrag. Da eine Brandschutzversicherung aber ebenfalls für einen Hausbesitzer verpflichtend ist, droht auch in diesem Punkt ein Bußgeld. In Summe erspart man sich viel Ärger, indem man diese Aufgabe einem professionellen Dienstleister überlässt.

Mit viel Wohlwollen seitens des Elektrikers mag es möglich sein, die einzelnen Arbeitsschritte selbst durchzuführen und abnehmen zu lassen. Der Elektriker muss aber dann nach jedem Arbeitsschritt zur Baustelle kommen und sein OK geben. Dies kann sinnvoll sein, wenn der Elektriker stark ausgelastet ist und für kleinere Aufgaben wie diese keine Zeit frei machen kann. Da die Elektriker aber mit dieser Arbeit nicht nur ihr Geld verdienen, sondern mit ihrer Unterschrift auch noch eine Verantwortung dafür übernehmen, ist eine Eigenleistung in diesem Fall nur sehr selten durchsetzbar.

Potenzialausgleiche einer Wohnung: Menschenleben schützen

Unsicherer Umgang mit Elektrizität verursacht etwa 200 Todesfälle durch Stromschlag und 4.000 schwere Stromunfälle pro Jahr. Wenn leitende Teile, Massen genannt, versehentlich unter Spannung gesetzt werden, kann der Kontakt mit ihnen tödlich sein.

Deshalb ist es wichtig, diese Massen zu erden, also über einen Schutzleiter miteinander und mit der Erde zu verbinden; dies wird als Potenzialausgleich bezeichnet. Wenn also eine gefährliche Spannung an einer Masse auftritt, wird der resultierende elektrische Strom zur Erde geleitet und somit ein elektrischer Schlag vermieden. Im Stromverteilerkasten wird dann eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) ausgelöst und der fehlerhafte Stromkreis sofort unterbrochen.

Arbeitsschritte

  1. Hauptpotenzialausgleich herstellen

  2. Zusatzpotenzialausgleich durchführen

  3. Hauptpotenzialausgleich und Zusatzpotenzialausgleich testen

So geht's

Für jeden Heimwerker möglich, brauchen Sie nur zu wissen, wie man eine elektrische Leitung (in Kabelkanal, starrem Leerrohr, Wellrohr) und eine Anschlussdose verlegt, einen elektrischen Leiter abisoliert und anschließt, einen Kabelschuh crimpt, eine Erdungsklemme anbringt, ein Loch bohrt, eine selbstschneidende Schraube eindreht und ein Multimeter verwendet.

Benötigte Zeit

Unterschiedlich je nach Wohnungsart.

Empfohlene Personenzahl

1 Person

Werkzeuge und Verbrauchsmaterial

Persönliche Schutzausrüstung

  • Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken

  • Schutzhandschuhe gegen elektrische Risiken (mindestens Klasse 00)

  • Schutzbrille

  • Schutzkleidung

  • Sicherheitsschuhe

Die hier aufgeführte Liste ist nicht vollständig. Die persönliche Schutzausrüstung ist je nach auszuführender Arbeit anzupassen.

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Potenzialausgleich herstellen:

1. Hauptpotenzialausgleich und Zusatzpotenzialausgleich herstellen

Hauptpotenzialausgleich

Ein Potenzialausgleich verbindet die Haupterdungsklemme (oder die Potenzialausgleichschiene des Stromkastens) und die folgenden Metallteile:

  • Metallrohre: Wasserleitung, Zentralheizung, Gasleitung;

  • metallische Konstruktionselemente (Dachstuhl);

  • die Metallbewehrung des Stahlbetons.

Hierfür schließen Sie einen grün-gelben Leiter H 07 VR 10 mm2 an die Haupterdungsklemme an nachdem Sie ihn auf einer Länge von etwa 12 mm abisoliert haben. Wenn Ihre Installation über keine solche Klemme verfügt, können Sie den Leiter an die Erdungsschiene im Stromkasten anschließen. In diesem Fall muss zuerst der Hausanschlussschalter (meist neben dem Stromzähler) auf Aus gestellt werden bevor die Frontplatte vom Stromkasten entfernt wird. Ziehen Sie dann isolierende Handschuhe an und prüfen Sie die Stromversorgungsklemmen auf Spannungsfreiheit. Stellen Sie dazu das Vielfachmessgerät auf Wechselspannung (VAC) und wählen Sie eine Nennspannung von mindestens 230 V.

Führen Sie dann den Leiter direkt auf der Wand oder in einem Leerrohr bis zum nächstgelegenen Metallelement. Entfernen Sie alle Spuren von Rost oder Farbe mit Schmirgelpapier von dem Element. Bringen Sie dann die Erdungsschelle an (es dürfen keine Rohrschellen benutzt werden). Schneiden Sie den Leiter möglichst nicht ab, sondern entfernen Sie mit dem Messer oder Cutter die Isolierung an der Berührungsstelle. Andernfalls kürzen Sie den Leiter und verbinden Sie ihn in der Erdungsschelle mit einem zweiten Leiter, der zum nächsten Metallelement führt.Verbinden Sie auf diese Weise alle oben genannten Elemente aus Metall; der Hauptpotenzialausgleich ist dann hergestellt.

Zusatzpotenzialausgleich

Ein Zusatzpotenzialausgleich muss in Badezimmern erfolgen. Sein Zweck ist es, die folgenden metallischen Elemente mit der Haupterdung des Gebäudes zu verbinden:

  • Metallrohre, z. B. Wasserleitung;

  • Badewanne oder Duschwanne aus Metall;

  • ein Rohr der Zentralheizung;

  • Metallrahmen (die festen Teile von Türen, Fenstern).

Ausgangspunkt des zusätzlichen Potenzialausgleichs kann die Erdungsleiste des Stromverteilerkastens sein, aber Sie können den Ausgleich auch mit dem grün-gelben Erdungsleiter des Badezimmers verbinden, falls dieser mindestens einen Querschnitt von 2,5 mm2 hat. (z. B. an einer Steckdose oder einer Wandanschlussdose: schalten Sie den Hausanschlussschalter aus bevor Sie irgendwelche Verbindungen herstellen).

Gehen Sie wie beim Hauptpotenzialausgleich vor, jedoch mit einem grün-gelben Leiter H 07 VU 2,5 mm2, der in einem Leerrohr oder Kabelkanal verlegt sein muss (oder mit einem 6 mm2 Leiter H 07 VR, der ohne Schutz an der Wand befestigt wird). Alternativ können Sie alle an die Metallelemente angeschlossenen Leiter in eine Abzweigdose führen und sie mit Anschlussklemmen überbrücken.

Bei Teilen, an die keine Erdungsschelle befestigt werden kann (Türrahmen, Badewanne, Dusche) können Sie mit einer Spitzzange aus dem abisolierten Ende des starren Leiters eine Schlaufe biegen. Wenn Sie eine grün-gelbe Litze H 07 VK 2,5 mm2 nehmen, können Sie mit einer Crimpzange auch eine Ösenklemme daran crimpen. Stellen Sie dann die leitende Verbindung zum Metallelement mit einer selbstschneidenden Schraube her, nachdem Sie an der Kontaktstelle alle Reste von Farbe oder Lack entfernt haben. Achten Sie darauf, das Element nicht zu durchbohren.

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2. Hauptpotenzialausgleich und Zusatzpotenzialausgleich testen

Um sich zu vergewissern, dass Sie einen funktionierenden Haupt- und Zusatzpotenzialausgleich hergestellt haben, müssen Sie folgende Messungen vornehmen:

  • elektrische Durchgangsprüfung der Metallteile untereinander;

  • elektrische Durchgangsprüfung zwischen Metallteilen und Erde.

Hierfür benutzen Sie das Vielfachmessgerät mit der Funktion Durchgangsprüfer, wenn es diese Funktion hat, oder die Ohmmeter-Funktion (Ω) mit dem kleinsten einstellbaren Widerstand.

Messen Sie dann den Widerstand zwischen allen Metallteilen, die über die Potenzialausgleiche und den Erdungskreis verbunden sind: Berühren Sie mit einer Messspitze das Metallteil (ggf. den Lack abkratzen) und mit der anderen Messspitze z. B. den Schutzkontakt einer Steckdose. Alternativ können Sie einen provisorischen Draht als Erdverbindung abrollen, der mit der Erdungsklemmleiste des Stromkastens verbunden ist.

Benutzen Sie hierfür Isolierhandschuhe: ein falscher Handgriff kann schnell passieren!

Wenn die Verbindung elektrisch leitend ist, ertönt ein Signal und/oder ein Wert unter 2 Ω wird angezeigt.

Wenn kein Durchgang besteht, überprüfen Sie die Verbindung; Wenn ein Signal zu hören ist und der Wert unter 2 Ω liegt, Glückwunsch! Haupt- und Zusatzpotenzialausgleich funktionieren und die elektrische Installation der Wohnung ist jetzt sicher.

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Ratgeber verfasst von:

Bruno, Elektrotechniker, Freiburg

Ich bin seit nunmehr fast 35 Jahren als leitender Elektrotechniker tätig und war auch nie in einer anderen Branche unterwegs. Den Start machte eine Stelle als Planer, die ich 10 Jahre lang in einem Unternehmen für Elektrotechnik ausübte. Anschließend arbeitete ich in derselben Branche als Ausbilder, wo ich Ausbildungen zum Elektriker und Planzeichner entwickelt und geleitet habe. Ich kenne die gängigsten elektrischen Normen und führe auch Schulungen über elektrische Risiken durch. Mein Beruf findet sogar in meiner Freizeit Einzug. So habe ich sogar schon die Elektroinstallation einer Berghütte komplett erneuert. Deshalb ist es selbstverständlich und eine große Freude, mein Wissen zu teilen, indem ich für ManoMano technische Ratgeber schreibe.

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