
Energetische Sanierung: So finden Sie die richtigen Fenster
Ratgeber verfasst am 15. Februar 2024 von:
Sebastian, Heimwerker Autodidakt, München
Alles über Fenster und energetische Sanierung
Wärmeverlust über Fenster
Zur energetischen Sanierung zählen alle Arbeiten, die den Energieverbrauch eines Hauses senken. Dazu zählen Heizung, Wohnraumlüftung, Wärmedämmung sowie Fenster und Türen. Über letztere entweicht 10 bis 15 % der Wärme eines Haushalts. Wie kommt das? Ursachen sind verglaste Flächen, Wärmebrücken zwischen dem Rahmen und der Wand, schlechte Dichtungen bei alten Fenstern sowie das Material des Fensterrahmens.
Fenster
Fenster: Aufbau
Fensterarten im Überblick
Fenster passen sich allen Gebäuden und Räumen an. Sie sind in mehreren Ausführungen erhältlich. Sie können Standardmaße oder Sondergrößen besitzen und bestehen aus folgenden Elementen:
Fenster mit Festverglasung;
Fenster mit einem, zwei oder mehr Flügeln;
Fenster mit Öffnungsmechanismus.
Drehfenster
Drehfenster schwenken in der Regel horizontal in den Raum. Sie eignen sich für alle Räume eines Hauses. Der Raum wird optimal belüftet und die Fenster können problemlos gepflegt werden.
Drehkippfenster
Drehkippfenster sind in Deutschland am weitesten verbreitet. Sie sind eine Kombination aus Dreh- und Kippflügel und können daher sowohl ganz geöffnet als auch gekippt werden. Sie eignen sich insbesondere für Küchen und Badezimmer.
Schiebefenster
Schiebefenster sind platzsparend, da sie beim Öffnen nicht in den Raum geschwenkt werden. Sie werden häufig als Terrassentüren oder über Arbeitsplatten in Küchen eingebaut.
Kippfenster
Kippfenster ermöglichen es, das Fenster einen Spalt weit zu öffnen, was praktisch ist, wenn es regnet. Sie werden oft in Kellern, Garagen oder in Badezimmern eingesetzt.
Schwingflügelfenster
Schwingfenster besitzen eine horizontale Drehachse in der Mitte des Fensters und ermöglichen so eine teilweise Öffnung. Diese Öffnungsart wird in der Regel bei Dachfenstern verwendet.
Was ist ein Doppelfenster?
Doppelfenster sind nicht sehr bekannt. Dabei können sie bei Renovierungsarbeiten (vor allem bei denkmalgeschützten Häusern) einfach eingebaut werden. Sogenannte Kastendoppelfenster bestehen aus zwei Fenstern: Innen- und Außenfenster. Ihr Abstand beträgt 8 bis 25 cm. Der Zwischenraum fungiert wie eine Dämmschicht und verbessert die Wärmedämmung des Raums.
Zudem wirken Doppelfenster besonders schallisolierend. Das zweite Fenster wird in der Regel fassadenbündig eingebaut. Die wärmedämmenden Eigenschaften eines Doppelfensters müssen die Bedingungen der energetischen Sanierung erfüllen.
Doppelfenster werden hauptsächlich in Gebirgsregionen und in Ländern mit kaltem Klima eingebaut.
Fenster: Öffnungsrichtung und Anschlag
Fenster und Fenstertüren mit Drehflügel können in zwei Richtungen geöffnet werden.
DIN Links
Befinden sich der Griff an der rechten Seite und die Scharniere an der linken Seite, handelt es sich um DIN Links.
DIN Rechts
Befinden sich der Griff an der linken Seite und die Scharniere an der rechten Seite, handelt es sich um DIN Rechts.
Maße eines Fensters ausrechnen
Die Berechnung der Fenstermaße hängt von der Einbauart ab. Die Einbauart muss wiederum zur Dämmung des Hauses passen (z. B. Außendämmung)
Fenster: Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)
Seit November 2020 gilt das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2020). Es setzt unter anderem Mindestanforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizenten (Uw-Wert) und den Gesamtwärmedurchlass (g-Wert) von Fenstern fest.
g-Wert und U-Wert: Empfehlungen
Wärmedurchgangskoeffizent (Uw-Wert) | Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) | |
Fenster und Fenstertüren | max. 1,3 W/(m²K) | 0,60 |
Dachfenster | max. 1,4 W/(m²K) | 0,60 |
Glasdächer | max. 2,0 W/(m²K) | 0,63 |
Der Gesamtenergiedurchlassgrad für Fenster (g-Wert) sowie der Wärmedurchgangskoeffizient (Uw-Wert) werden durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) geregelt.
Wärmedurchgangskoeffizent (Uw-Wert)
Der Wärmedurchgangskoeffizent bei Fenstern wird als Uw-Wert (w = window, also Fenster) bezeichnet. Er ist die einfachste Möglichkeit, um die Wärmedämmeigenschaften eines Fensters einzuschätzen, da er sowohl Rahmen als auch Verglasung miteinbezieht. Er wird in W/m²K ausgedrückt. Je kleiner der U-Wert, desto besser sind die Dämmeigenschaften des Fensters.
Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert)
Der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) gibt die eingestrahlte Energie an, die durch das Fenster in den Innenraum gelangt. Ein g-Wert von 1 entspricht einer Durchlässigkeit von 100 %.
Fenster: weitere Merkmale
Neben den für eine energetische Sanierung erforderlichen Wärmeeigenschaften müssen hochwertige Fenster noch weitere Merkmale aufweisen.
Hierzu gehören:
Lebensdauer
Material des Fensterrahmens
Lichtdurchlässigkeit
Wärmeverluste
Schalldämmung
Anzahl und Qualität der Verglasungen
Sicherheitsglas
Luft-, Wind- und Wasserschutz
Fenster und Türen müssen bestimmten Mindestanforderungen für Windlast, Schlagregen und Luftdurchlässigkeit gerecht werden.
Eigenschaft | Definition | Klassifizierung |
Luft | Luftdurchlässigkeit | 1 bis 4 |
Wasser | Schlagregendichtheit | 1A bis E (ungeschützt) bzw. 1B bis 4B (geschützt) |
Wind | Widerstand gegen Druck und Rahmendurchbiegung | Druck: 1 bis 5 Rahmendurchbiegung: A bis C |
Material des Fensterrahmens
Fenster und Fenstertüren können aus verschiedenen Materialien bestehen. Jedes Material besitzt spezifische Eigenschaften hinsichtlich der Wärmeleitfähigkeit.
Material | Wärmeschutz | Kosten | Lebensdauer |
PVC | *** | ** | 40 bis 50 |
Holz | ** | *** | |
Aluminium | * | ** | 60 Jahre |
Lichtdurchlässigkeit
Die Lichtdurchlässigkeit wird als Lichttransmissionsgrad bezeichnet. Dieser wird meistens in Prozent angegeben und drückt aus, wie viel sichtbares Licht durch das Fenster dringt.
Er liegt bei Isolierglas bei 82 %.
Wärmeverluste
Ug-Wert
Der Ug-Wert (g = glazing, also Verglasung) betrifft nur die Wärmeverluste durch das Fensterglas. Fensterrahmen oder Verbindungspunkte zwischen Flügel und Rahmen werden nicht mit einbezogen. Daher ist der Ug-Wert nicht dazu geeignet, Fenster miteinander zu vergleichen.
Oft beträgt der Ug-Wert 1,1 W/m²K.
Schallschutz eines Fensters
Der Schallschutz eines Fensters wird über den Schalldämmwert in Dezibel ausgedrückt und in Schallschutzklassen unterteilt (SK 1 bis SK 6). Je höher die Schallschutzklasse des Fensters ist, desto besser ist die Schalldämmung.
Isolierglas hat einen Schalldämmwert ungefähr 29 dB.
Schallschutzglas
Schallschutzglas hat besondere Eigenschaften. Es besteht aus zwei Scheiben, die eine unterschiedliche Dicke aufweisen und so gegen Lärm von außen schützen.
Besonderes Schallschutzglas erhöht die Schallisolierung zusätzlich.
Schallschutzklassen und Schallschutzglas: Beispiele
Schallschutzklasse (SK) | Entfernung zur Straße / Verkehrsdichte | Schalldämmwert Rw in dB | Verglasung |
SK 2 | 25 - 35 m / Wohnstraße, 10 -50 Kfz pro Stunde | 30 - 34 dB | Isolierglas 4-16-4 |
SK 3 | 25 - 35 m / Wohnstraße, 50 - 200 Kfz pro Stunde | 35 - 39 dB | Isolierglas 6-16-4 |
SK 4 | 100 - 300 m / Hauptverkehrsstraße, 1000 - 3000 Kfz pro Stunde | 40 - 44 dB | Isolierglas 9GH-16-6 |
Genau wie bei der Wärmedämmung hängt der Schallschutz eines Fensters auch davon ab, wie gut es eingebaut wurde.
Anzahl und Qualität der Verglasungen
Fenster mit Zweifachverglasung werden am häufigsten bei Sanierungen im Altbau verwendet. Dreifachverglasungen werden meistens bei Neubauten eingesetzt.
Isolierverglasung mit Edelgasfüllung
Bei modernen Doppelverglasungen wird Edelgas zwischen die Scheiben gefüllt. Dies macht sie noch effizienter. Edelgase wie Argon oder Krypton im Scheibenzwischenraum sorgen für eine optimale Wärmedämmung.
Warme Kante
Abstandshalter aus Aluminium zwischen den Scheiben und am Randverbund stellten früher oft Wärmebrücken dar. Um die Dämmeigenschaften der Abstandshalter zu verbessern, wurde die "Warme Kante" (auch warm edge) eingeführt. Sie ist leicht an ihrer schwarzen Farbe zu erkennen.
Sicherheitsglas
Sicherheitsglas wie Verbundsicherheitsglas bietet einen hohen Schutz gegen Einbruchsversuche. Bei Bruch bleiben die Glasscherben des Verbundsicherheitsglases an einer Folie aus Polyvinylbutyral hängen.
Energetische Sanierung von Fenstern und Fenstertüren fördern lassen
Fenster und Fenstertüren gehören wie die Warmwassererzeugung, Wärmedämmung, Wohnraumlüftung oder Heizung zu den Maßnahmen, die im Rahmen einer energetischen Sanierung finanziell gefördert werden. Ziel einer energetischen Sanierung ist es, den Energieverbrauch eines Gebäudes nachhaltig zu reduzieren.
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Ratgeber verfasst von:
Sebastian, Heimwerker Autodidakt, München
Nach meinem Abschluss an einer Handelshochschule bot sich mir die Gelegenheit, eine Ausbildung zum Zimmermann zu machen. Was für ein edler, aber harter Beruf! Die Winter und der Regen trieben mich jedoch von den Dächern wieder herunter und direkt durch die Tür eines Eisenwarengeschäfts, in dem ich daraufhin – wenig überraschend – als Eisenwarenhändler gearbeitet habe. Vom Hammer bis zum Meißel habe ich im Laufe der Jahre auch alle Abteilungen in Heimwerkermärkten kennengelernt und weiß genau, wie die Produkte dort funktionieren und wofür man sie braucht. Neben meiner Tätigkeit für diese beiden Läden habe ich aber auch als Schlosser, Dachdecker, Tischler oder in der Industriebranche gearbeitet. Dank meiner praktischen Erfahrungen und meines technischen Know-hows weiß ich genau, was ein gutes Werkzeug oder die richtige Ausrüstung ausmacht. Und weil ich lieber schriftlich einen guten Rat gebe, als von Montag bis Samstag in einem Geschäft zu stehen und immer dieselbe Beratung zu geben, war es nur logisch, dass ich Autor geworden bin.